142 Müdigkeit am Mikrofon


Wir alle kennen das: Man fährt zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag zum Clubabend und ist einfach platt. Was macht Müdigkeit eigentlich mit einem Caller? Tunnelblick, schlechte choreografische Entscheidungen, ungeduldiger, lautere Musik – und das Tückische: Oft merkt man es erst im Nachhinein. In dieser Folge reden wir darüber, wie sich Müdigkeit anfühlt, was dabei in Kopf und Körper passiert, und welche kleinen Gegenmaßnahmen helfen können.



Mitwirkende

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Martin Kull
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Peter Höfelmeyer

Shownotes


Was Müdigkeit mit Callern macht:

  • Der Tunnelblick setzt ein: Man nimmt den Raum nicht mehr als Ganzes wahr, fokussiert sich auf ein Square oder nur wenige Tänzer, übersieht Probleme woanders
  • Die Körperhaltung leidet – was direkt auf Stimme und Präsenz wirkt
  • Das Zeitgefühl verschwindet
  • Man wird dünnhäutiger, die Wortwahl unvorsichtiger, der Ton manchmal oberlehrerhaft
  • Choreografische Entscheidungen werden schlechter: Man überdreht, haut im letzten Tipp noch eine schwierige Choreo raus
  • Die Tendenz geht zu „mehr“: mehr Schwierigkeit, mehr Lautstärke, mehr Komplexität – genau das Falsche
  • Das Paradoxe: Man fühlt sich im Moment manchmal klar, hat aber eigentlich nur noch einen Gedanken übrig – und hält den für richtig

Warum es so schwer zu erkennen ist: Oft sucht man die Ursache für einen schlechten Abend woanders – an der Choreografie, an den Tänzern – und erkennt die Müdigkeit erst in der Nachbetrachtung. Das gilt übrigens auch für Tänzer, die am gleichen Abend durch ihre eigene Erschöpfung weniger aufmerksam sind.

Was hilft:

  • Erkennen ist der erste und wichtigste Schritt
  • Bewusste Mikropausen einbauen – auch eine Minute kann reichen, wenn man sie wirklich nutzt
  • Vertraute Choreografie als „Autopilot-Modus“ einsetzen, um den Kopf kurz zu entlasten
  • Ausreichend trinken – und das rechtzeitig, nicht erst wenn man schon dehydriert ist
  • Atemübung für Stressabbau: 4 Sekunden einatmen, 2 halten, 6 ausatmen – länger ausatmen als einatmen
  • Musik wählen, die man in- und auswendig kennt und die in der eigenen Wohlfühltonlage liegt
  • Offen damit umgehen: Müdigkeit kommunizieren ist keine Schwäche

Ein Gedanke für Caller in der Ausbildung: Wer gerade lernt zu callen, trifft an einem Abend deutlich mehr bewusste Entscheidungen als ein erfahrener Caller. Müdigkeit trifft diese Menschen früher und härter. Das ist kein Zeichen mangelnder Eignung.

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